m e n u
 hexhouse  corona blues - ein lesegeschenk  lubeck  kleine erzaehlungen  marke: solo 1989 - leseprobe  saltener bits 1992 - leseprobe  icemakers 2008 (?) - leseprobe  gesiebtes brot 2015 - leseprobe  das heulmeisje und ich  witch tells tiny tales  lubeck for considerate visitors  off the beach - a corona gift // about me


das heulmeisje
und ich

  Es war an einem Sonntag, 24. Oktober, 1976. Gegen 17 Uhr wurde die Leiche einer jungen Frau im Wald gefunden: nackt, bedeckt mit Laub, Aesten und Schmutz. Es lag weder Krankheit noch eine Vergiftung vor; Anzeichen von Schuss- und/oder Stichwunden waren auch nicht vorhanden - wahrscheinlich war ihr entweder die Kehle aufgeschlitzt oder sie war erdrosselt worden. Sie hatte bereits etliche Monate im Wald gelegen, einem Ort, wo organische Vorgaenge beschleunigt vor sich gehen, eine genaue Feststellung der Todesursache war deshalb nicht moeglich - damals nicht und heute wohl noch weniger. Immerhin konnte eine Schwangerschaft ausgeschlossen werden.

  Die uebliche Prozedere: Gebiet durchkaemmen, Nachbarn befragen, Metalldetektor usw. blieben ohne Ergebnis, der Fokus der Polizei richtete sich daher auf die Liste aller vermissten Maedchen, die zur Beschreibung passten:
Sie war zwischen 15 und 20, 1,60 Meter gross und schlank, hatte eine helle Haut, 43 Zentimetern langes kastanienbraunes Haar und gute unbehandelte Zaehne (keine Fuellungen) - lediglich der untere rechte Zahn (4-6) hatte gefehlt, vermutlich in ihrem letzten Lebensjahr gezogen.
  Bereits 1976 waren Zaehne ohne Fuellungen selten: von eintausendfuenfhundert 12-Jaehrigen war statistisch gesehen nicht mal ein einziges Kind ohne - dieser Aspekt war also ein genauso guter Anhaltspunkt wie der fehlende Zahn. Man verglich ihre Zaehne mit allen zahnaerztlichen Aufzeichnungen im Lande: Fehlanzeige. Erschwerend kam hinzu, dass Zahnaerzte in NL ihre Aufzeichnungen nach einem Jahr zu entsorgen pflegten [nicht nur fuer die Familien andrer vermissten Maedchen, auch fuer meine und mich ein entschiedender Punkt, mit diesen Aufzeichnungen waere der Verlauf ein anderer gewesen]. Alle Befunde wurden nach Interpol, Paris weitergereicht, um ganz Westeuropa zu checken - und von dort den Rest der Welt. Ergebnis: Ende des Jahres hatte das Maedchen trotz Eingrenzung des Alters (hoechstens 18 Jahre) immer noch keinen Namen.
  Um etwas ueber ihre Lebensweise herauszufinden, wurden ihre Haare genauer untersucht, eine Prozedur, die damals nicht oft angewandt wurde. Da auch diese Ergebnisse nicht zur Identifizierung fuehrte, setzte sich der Name "Heulmeisje" nach De Heul als Fundort durch, einem Parkplatz an der A12, einer viel befahrenen Autobahn bei Maarsbergen, NL, etwa 40 Autominuten von der deutschen Grenze entfernt.
  Durch den Vergleich von Projektionen des Schaedels mit Fotos etlicher Vermissten, darunter der 16-jaehrigen Schuelerin Monique Jacobse
[die Person also, die jetzt fuer sie schreibt: ich], die am 7. April 1975 aus ihrem Elternhaus verschwunden war, versuchte man 1986 eine voellig neue Technik, um das Heulmeisje doch noch einen Namen geben zu koennen. Und siehe da: sie passten. Zugegeben, Moniques Zahnarzt hatte unmittelbar nach dem Fund im Jahre 1976 die Zahndaten miteinander verglichen und war rasch zum Schluss gekommen, dass es nicht Monique sein konnte [mein Zahnarzt war ein ganz Lieber, seine Angaben voellig korrekt: meine Zaehne waren bereits in den USA, wo wir eine gute Dekade lebten, reichlich mit Amalgam bedacht worden - es war nicht zu uebersehen. Uebrigens hat Schweden als einziges Land bereits 1999, Amalgam bzw. Quecksilber  quecksilber verboten]. Doch offenbar waren dem Zahnarzt buerokratische Fehler unterlaufen, und ploetzlich hatte das tote Maedchen einen Namen. Meinen. [Etwa ein Dutzend Fuellungen mussten mir 2011 fachmaennisch rausgenommen werden: u.a. Migraene, Verdauungschaos, Bronchitis, Lichtempfindlichkeit, Schwindel, Brainfog, der Gang einer Besoffenen - danach jahrelang Ausleitungen. Fast absurd, welche Streiche mir die verflixten Fuellungen bisher gespielt haben. uebrigens war ich 1976 168cm gross, 8 cm groesser als das Heulmeisje.]
  1994 wurde die Akte des Heulmeisjes, diesmal mit Monique Jacobse vorne darauf, erneut eroeffnet, nachdem die Polizei einen Tipp wegen eines 73jaehrigen Mannes aus Groenlo als moeglichen Moerder erhielt, der auch geographisch passte, da der damals 55-Jaehrige 1976 an einer Schule in der Naehe vom Fundort unterrichtet hatte. Nach seiner Pensionierung war er mitsamt Frau nach Groenlo gezogen, wo seine Gesundheit sich drastisch verschlechterte: zweimal war der depressive Mann in einer psychiatrischen Einrichtung gewesen. Verschiedene Begebenheiten hatten seine Frau misstrauisch werden lassen, sie vermutete ein schreckliches Geheimnis und konfrontierte ihn mehrmals mit dem Leichenfund von 1976. Aber er leugnete jedes Mal. Dann kam seine Verhaftung und er wurde erneut in eine psychiatrische Einrichtung eingewiesen. Die staendigen Vorwuerfe und Verhoere, das Misstrauen - irgendwann machte der alte Mann ein Gestaendnis, was dank einiger Indizien durchaus ernst genommen wurde, zumal er es seiner Familie vor der Verhaftung gestanden haben soll. [Habe mich spaeter oft gefragt, was er genau gestanden hatte. Als ich 1975 16jaehrig gen Osten trampte, bin ich tatsaechlich von einem Mann in mittleren Jahren mit aelterem Alltagsauto ein gutes Stueck mitgenommen worden. Nach dem ueblichen Blabla wurde er irgendwann zudringlich, sowie er aber entdeckte, dass das wohl nichts wurde, setzte er mich wuetend/enttaeuscht auf einem Parkplatz an der Autobahn aus, wo leider wenig Verkehr war. Ich hatte die Wahl zwischen einer Uebernachtung auf dem Parklatz oder weiter trampen - daher brauchte die Hengeloer Polizei mich nur von der Autobahn pfluecken. Geplant war das nicht, spontan gab ich mich als meine volljaehrige Schwester aus, profitierte von deren schulischer Ueberlastung wegen Pruefungen und konnte nach einem telefonischen Austausch zwischen Polizei und Schule bald weiterziehen.] Im November desselben Jahres beging der Mann, der seine Gestaendnis laengst widerrufen hatte, Selbstmord - [etwa weil er sich mitschuldig an "meinem" Tod fuehlte? Es kommt selten vor, dass Menschen mit Depressionen Hand an anderen legen, dann eher an sich selbst]. Die Ermittlungen wurden beendet, da in NL ein Verfahren eingestellt wird, sobald der Verdaechtiger stirbt. Bis 2006 zweifelte niemand ausser ihrem Zahnarzt daran, dass das Heulmeisje Monique Jacobse war, dann meldete sich Monique. [Wir alle waren uns sicher, dass unsere Schwester Marion irgendwann Erfolg haben wuerde, und so googelte ich vertrauensselig 2006 (es gibt Suchmaschinen, die keine Daten sammeln), um ihr via E-Mail alles Gute zum 50. Geburtstag zu wuenschen. Ich war nicht sicher, ob mein zaghaftes Anklopfen nach so vielen Jahren willkommen war, daher gab ich mich nicht sofort zu erkennen und eierte herum - kann ich gut. Irgendwann musste ich verbluefft feststellen, dass sie Zweifel wegen meiner Identitaet hatte - ernste Zweifel. Das hatte ich nicht erwartet. Erst als ich mit Details aufwartete, die nur wir beide wissen konnten, wurde sie stuetzig:
"WHO ARE YOU?!?!" lautete ihre naechste E-Mail kurz und buendig ueber die gesamte Laenge des Bildschirms. Schwer zu sagen, wer von uns beiden den groesseren Schock erlitt, nachdem ich von "meiner" Ermordung erfuhr. Aus Ruecksicht auf mich, immerhin seit drei Dekaden in einem fremden Land unter einem anderen Namen registriert, informierte meine niederlaendische Familie die Polizei erst, als diese ankuendigte, "mein"; Grab  das grab - mit viel liebe von meiner sis gebildhauert im Rahmen der Ermittlungen gegen den mutmasslichen Serienmoerder Peter C. erneut oeffnen zu wollen. September 2012 bestaetigte die nierderlaendische Polizei via DNA-Untersuchung, dass ich tatsaechlich ich war; 2013 erhielt ich offiziell meine Identitaet zurueck - es war ein stupider Kampf gegen unsichtbare Windmuehlen, den ich nun auf deutschem Boden wg. bisschen Rente wiederholen soll: eine Monique Jacobse hat nie in die Rentenkasse eingezahlt.]
  Die Sucherei nach der Identitaet des Heulmeisje ging also erneut los, dafuer war die Technik drei Dekaden weiter. Man ordnete eine Gesichtsrekonstruktion an; Schaedelmasse und zahnaerztliche Aufzeichnungen von 1976 wurden ebenfalls verglichen. Das Ergebnis war ein Foto, das 2007 in "Opsporing Verzocht" vom niederlaendischen Sender praesentiert wurde, das Bild ging von einem erwachsenen Alter aus, das spaeter nach unten korrigiert wurde, wird daher nicht hier gezeigt.
  Der Siegeszug der DNA ging erst 2012 los, mehrere vermissten Maedchen konnten seitdem ausgeschlossen werden. Die Polizei war nicht untaetig, es gab viele Hinweise aus der Bevoelkerung, zum Beispiel die Aussage eines Taxifahrers, der einen Mann und ein Maedchen gefahren haben soll: sie sprachen Deutsch und gerieten waehrend der Fahrt in Streit. Das Maedchen soll gesagt haben, sie wuerde nach Deutschland zurueckkehren wollen, waehrend der Mann in den Niederlanden bleiben wollte. Der Fahrer erinnerte sich daran, dass das Maedchen Stuyvesant Zigaretten rauchte und dass sie in der Gastronomie gearbeitet hatten, entweder in Den Haag oder Scheveningen. Das Paar verliess das Auto etwa 1 Kilometer vom Parkplatz De Heul entfernt. Solche Hinweise waren keine Seltenheit, dieses detaillierte Beispiel mag reichen. Zudem meldeten sich etliche Anwaelte im Namen von Familien, die wissen wollten, ob das Maedchen nicht ihr Kind sein koennte. Kein Treffer.
  Isotopen-Untersuchungen kamen hinzu. Via Haaren, Zaehnen und Knochen des Heulmeisjes konnte festgestellt werden, dass sie in einem vulkanischen Bereich aufgewachsen war; innerhalb Europas hiess das: Eifel (Deutschland), Auvergne (Frankreich), Boehmen (Tschechische Republik), Griechenland oder Italien. Die Sauerstoffisotope hingegen schlossen Auvergne, Griechenland und Italien aus. Auch Boehmen kam nicht mehr in Frage. Blieb nur die Eifel. Es gibt Einwaende gegen die Schlussfolgerung, sich bei der Neuaufnahme des Mordfalls auf die Eifel als Herkunftsland zu beschraenken, zumal in den Haaren des Heulmeisjes Blei war, welches zu dem damals ueblichen "Russenbenzin" passte; in der Eifel gab es diese Sorte Benzin damals nicht. Nun waechst menschliches Haar im Durchschnitt ca. einen Zentimeter pro Monat und kann Auskunft darueber geben, wo man waehrend dieser Zeit gewesen ist:

43 Zentimeter Haar = drei Jahre und sieben Monate

Die letzten sieben Monate ihres Lebens soll sie in Westeuropa verbracht haben, moeglicherweise in Deutschland - fuer wahrscheinlicher wurde die Gegend von Maastricht oder Utrecht/Amsterdam gehalten, wo sie gefunden wurde. Die Haare des Heulmeisjes verrieten auch, dass sie sich vor ihrem Tod sehr sparsam oder einseitig ernaehrt hatte, sie ass taeglich das gleiche und bekam nicht genug Proteine: Entfuehrung, Diaet, Armut? Alles moeglich. Das DNA-Profil des Heulmeisje lieferte immerhin einen handfesten Nachweis: sie hatte braune Augen.
 Nach Bekanntgabe der mutmasslichen deutschen Herkunft des Maedchens kamen noch mehr Hinweise. So erzaehlte 2012 ein Taxifahrer von einem betrunkenen Mann, der behauptete, ein junges Maedchen aus Essen getoetet zu haben. Nach einer Folge von "Aktenzeichen XY ungeloest" (das Heulmeisje war in zwei Sendungen mit dabei), deutscher Version von "Opsporing Verzocht", erhielt die Polizei unzaehlige neue Tipps.

  Anfang 2013 verkundete das Niederlaendische Forensische Institut Heulmeisjes endgueltige Alter: 13,5 bis 15 Jahre - doch ein gutes Stueck juenger als urspruenglich angenommen. Die alte Rekonstruktion von Heulmeisjes Gesicht ging von einem aelteren Maedchen, fast schon junger Frau aus, also musste eine neue Rekonstruktion her. Es wurde in Schottland an der University of Dundee angefertigt und in etlichen Medien praesentiert:


 Es kamen noch mehr Hinweise - [bitte woanders nachlesen - gibt genug Infos!]
  2013 kam die deutsche Polizei mit dem Plan einer DNA-Verwandtschaftssuche, mit dem Hintergedanken, Heulmeisjes DNA-Profil mit denen der Polizeidatenbanken beider Laendern zu vergleichen - vielleicht konnte so einen Verwandten des Maedchens aufgetrieben werden? Dies wurde 2016 von Deutschland genehmigt und meines Wissens bisher nicht durchgefuehrt.
  2016 traf auch das OK aus Amerika wegen der Suche nach einem amerikanischen Soldaten ein, der 1976 in der Naehe von Maarsbergen stationiert war. Eine verspaetete Reaktion auf einen Hinweis zwei Jahren zuvor: der amerikanischer Soldat und ein deutsches Maedchen sollen in der Naehe von Maarsbergen gelebt haben - sie soll von zu Hause weggelaufen sein und sich versteckt gehalten haben, weil minderjaehrig. Amerikanische Soldaten, die hier stationiert waren, mussten sich nicht registrieren, weshalb die Polizei um Hilfe nachgesucht hatte. Was daraus geworden ist? Fragt die Amerikaner.

  In den Niederlanden gibt es uebrigens (leider) eine Verjaehrungsfrist auch fuer Mord, Prioritaet hat daher i.d. NL nicht die Auffindung des Moerders, sondern die Identitaet dessen Opfer: das Heulmeisje. Sollte der Taeter und/oder das Opfer allerdings wie angenommen kein Niederlaender sein... Hm.

  Ja, es ist 34 Jahre her, und das ist eine ganze Weile. Dennoch kann es doch sein, dass sie trotzdem irgendwo immer noch jemandem fehlt: einer Schwester, Nichte, ehemaligen Schulfreundin?
  Wer Hinweise hat, bitte gleich an die Polizei weiterleiten. Hinweise auch moeglich an @heulmeisje auf #Twitter. Danke!


© 2019 hexandthecity - uebrigens a human being, der auch schon mal irrt und nicht haftbar ist. Alle Angaben ohne Gewaehr.


ueber mich

  Krisen bewirken bei jedem was anderes. Waehrend Corona hat der eine sich das Stricken, die andere das Gitarrenspielen beigebracht; viele Keller sind endlich entruempelt, einige Gaerten nun eine mittlere Katastrophe. Ich schreibe, und nicht erst seit Corona.
  Ende 1989 lagen sich alle in den Armen, als der Nabob seiner aermeren kleinen Nachbarin die Ehe anbot und diese mehr oder weniger freiwillig akzeptierte. Manchmal hat man nicht viel Wahl. Das nagt, zumal offenbar niemand den Mauerfall ("Wende" finde ich unpassend, dazu haette sich mehr wenden muessen) vorausgesehen hatte - interessiert durchforstete ich 1990 saemtliche 1989er Ausgaben vom damals noch tiefroten Spiegel: null. Und so verliess ich zum ersten Mal die ueblichen short stories, Glossen, Kreuzwortraetsel und Uebersetzungen, die ich abends/nachts verfasste, und eine lustige laengere Geschichte entstand ("marke: solo", siehe Menu oben).
 Mein zweiter Krisenstreich entstand, als hierzulande die Asylheime brannten: "saltener bits" (1992). Der Siegeszug der Digitalismus hatte da bereits angefangen, deutlich erkennbar auch im spaeteren Jugendbuch "the icemakers" (2008) - als Oma hat mich das Thema "Daddeln" interessiert, als Tochter einer der ersten Frauen, die im Computerwesen eine Zukunft sah, erst recht.
 Geld macht bekanntlich dumm. Die #Finanzkrise und #Occupy haben bei mir nichts Kreatives bewirkt, bin wie so viele auf die Strasse gegangen und dann auch noch komplett ausgestiegen. Erst spaeter kam die naechste literarische Eruption waehrend der #Fluechtlingskrise: "gesiebtes brot" (2015), allerdings verarbeitete ich hier unterschwellig meine eigene Krise zwischen Brainfog, Identitaet und pflegebeduerftiger Mutter.
 #Corona. Anfangs waren alle solidarisch: die digitale Umarmungen, das Klatschen, die Onlinekonzerte - war das nicht irgendwie wunderschoen? Und alles geschenkt, ohne Geld! Mein Beitrag war "corona blues" (2020), diesmal mit erstaunlich wenig Bio. Schade, dass aus der #Solidaritaet eine Schlammschlacht zwischen Geimpften und Ungeimpften wurde, anstatt Loesungen zu suchen fielen alle uebereinander her. Nichts dazu gelernt. Mensch.
 Achtung, ausser "corona blues" und dessen engl. uebersetzung "off the beach" (2021) gibt es von allen books nur Leseproben. Ich strebe die Gruendung einer Stiftung an - meiner lustigen Klaue sieht man es nicht an, aber ich bin konsequent und moechte mit diesem Finanzsystem nichts zu tun haben. Hatte ich nie.

 Irgendwann kommt jeder in das Alter, wo man denkt: na, wird langsam Zeit - auch meine Gesundheit und die Arbeit an hexandthecity pusht: Erinnerungen kommen hoch, einiges schwindet in eigener Bedeutungslosigkeit, andere strahlen mich ploetzlich an wie eine alte Liebe. Also los: Mein Ziel war und ist ein sehr grosses Grundstueck - falls noch nicht Naturschutzgebiet, wuerde ich schleunigst daran arbeiten. Kein Baum, kein Wolf soll weichen muessen, weil wir vermessene Menschen den Platz fuer uns beanspruchen oder etwas unschoen oder unbequem finden. Habe bereits als junge Frau und Mutter die Wichtigkeit eines Daches ueberm Kopf erkannt, es ist nicht nur der groesste Geldposten, es gibt tatsaechlich ein Recht auf Wohnen (u.a. Artikel 11 des Internationalen Pakts ueber wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte) - wann verpassen wir diesem Grundrecht endlich ein festes Fundament? Mein Ehrgeiz beschraenkt sich darauf, das, was ich mache, ordentlich zu tun, also sein Bestes zu geben, und ich finde, das muesste reichen - wenn nicht, sind die Rahmenbedingungen nicht in Ordnung.
  Stellt euch vor, wir haetten alle ein Dach ueberm Kopf inklusive autonomer Strom- & Wasserversorgung und Garten (ein Balkon oder Fensterbank in der Stadt vermag auch viel, come on!) - wir koennten uns aussuchen, was wir am liebsten mit unserer Zeit anfangen wuerden: nix Ausbeutung, 3 Jobs und Sanktionen oder Schuften bis zum Umfallen, um sein Bisschen Rente fuer spaeter zu sichern, nix Wohngeld, nix Ueberwachung und staendige Bereitschaft via Smartphone oder sonstwie - ein paar Stunden Arbeit in der Woche wuerde den meisten reichen, verdammt noch mal, wozu sonst, gibt/gab es Automatisierung, Digitalisierung und wasweissichnoch - etwa doch um die Reichen noch reicher zu machen? Fuer Unermuedlichen bliebe immer noch genug zu tun. Wir koennten es uns aussuchen: sich mehr um alte Menschen, Kinder, den Garten zwecks Eigenversorgung, irgendein Ehrenamt kuemmern, eine Fremdsprache erlernen, Malen, eine Software kreiern, welche die aufgeblaehten Gesundheitskassen schrumpft oder ueberfluessig macht (bitte melden!) oder gar ein neues transparentes Gesundheitssystem ermoeglicht? Geld wuerde allmaehlich zu dem schrumpfen, was es sein sollte: ein Tauschmittel. Vielleicht steigt die Grossfamilie, durch eine abgeguckte bzw. aufgezwungene Mobilitaet in alle Winde verweht, wieder aus der Asche und man faengt wieder an, das eine oder andere zusammen zu machen, sich um einander zu kuemmern?
  Da aber zu befuerchten steht, dass dieser Zustand oder z.B. das Bedingungslose Grundeinkommen #BGE (viele Wege fuehren nach Rom) Zeit bzw. mehr Zivilcourage braucht, moechte ich eine Stiftung gruenden. Bin keine Geschaeftsfrau und brauche nicht viel - warum sollte ich mir den Umgang mit Geld antun? Ruhm? Are you kidding? Was so peu à peu an den Tag kommt, habe ich immer gewusst: dieses Geldsystem ist nichts fuer mich - selbst mit Muscheln handeln ist besser. Daher moechte ich meine eigene Welt/Stiftung schaffen, verschiedenes muesste ausgerechnet und festgelegt werden: wieviel Quadratmeter ein selbstverstaendlich oekologischer Mensch oder ein Paar braucht zum Beispiel - dieser space wuerde einem dann lebenslaenglich zustehen, bleibt aber Eigentum der #Stiftung, transparent einsehbar und mit Vorlagen, die einen Missbrauch ausschliessen. Einige schlagen vor, alte Container zusammensetzen wie Legosteine - waer das evtl. die am oekologischte Baumethode? Keine Ahnung. Man koennte sich gewisse Raeume und Aufgaben und Freuden teilen: Waescheraum, Garten, Fahrradschuppen, Spielplatz, eine gemeinsame Sauna mit Solarstrom vom Dach und ein genau aufeinander abgestimmtes Abwassersystem... Also, wer eine Idee hat oder einen Verleger kennt, der sich inkl. Rechtsabteilung einlaesst, anstatt immer nur ueber Gott und die Welt zu philosophieren - hier bin ich! Ach so, und nein danke, E-Books hab ich ausprobiert - ist nicht meins.
  Diese letzte freie Flaeche wird genutzt, um abzuschliessen, oder besser: um aus einigen Geschichten eine einzige zu machen, naemlich meine. In dem Bemuehen, einiges aufzuklaeren und auch, es hier unterzubringen, damit nicht nur meine Kinder und deren Kinder und wen es noch interessiert, verstehen, fing ich selbst an, ein paar Dinge in ihrer Gesamtheit zu hinterfragen und teilweise zu erfassen. Bei mir werden Gedanken erst klar, wenn sie niedergeschrieben werden, vorher sind sie wie die Landschaft, die im Zug an einem vorbeirauscht: meist ist man mit etwas anderem beschaeftigt und sieht zwar alles, aber im Grunde nichts.
  Die schwersten Paeckchen, die Kinder zu tragen haben, sind die Erwartungen, die in sie gesetzt werden - deswegen habe ich von meinen wenig erwartet: sie sollten eine schoene Kindheit haben und ihren Weg finden, welchen Weg auch immer. Die Ratlosigkeit, die Enttaeuschung meiner Eltern ueber eine halbtaube introvertierte Tochter, die sich nie meldete, hatte fuer mich die Botschaft: sie wissen auch nicht weiter, ich war ein "Problem", das sie nicht in der Lage waren zu loesen. Diese unbewusste Art, sich als Problem zu definieren, fuhrte dazu, dass ich mein neues Leben ohne das unbekannte Kind Monique anfing. Die letzten Jahren waren nicht nur ein Kampf um meine Gesundheit, sondern auch eine Suche nach diesem Maedchen, als sei sie jemand anderes. Die parallele Suche waehrend der letzten Monaten nach der Identitaet des Heulmeisjes hat geholfen. Herauskam eine Art Deal mit einem Toten: hilf du mir, helfe ich dir. Makaber, schizophren? Vielleicht. Die Suche nach der Identitaet des Heulmeisjes verschmolz mit der Suche nach dem Maedchen, das ich vor 46 Jahren verlassen hatte, weil ich dachte, ohne geht's besser. Und ohne zu wissen, dass das gar nicht geht - muehelos schliesst sich der Kreis dann nicht mehr, und schon gar nicht von alleine. Pure Rationalitaet ist unmoeglich und ungesund, das haben mir die letzten Jahren gezeigt.
  Natuerlich ist es wichtig, wer du bist - aber wen du glaubst zu sein, das ist der Weg. Lass dich nicht irre machen, was andere denken oder erwarten, denn sie sind nicht du. Lass deine Kinder so, wie sie sind, unterstuetzt sie - hinterfragen ist OK, aber zerbricht euch nicht den Kopf der anderen. Es ist ihr Leben, nicht deins. Die Bewegung #FridaysforKids freut mich aus diesen Gruenden besonders, nicht etwa nur, weil diese Welt sich dadurch meiner Welt etwas angenaehert hat. Und was mich selbst betrifft: Heureka! Das naechste Mal, wenn jemand Fragen wegen meiner merkwuerdigen Vergangenheit stellt, kann ich auf diese Site verweisen und mich ansonsten ums Hier und Jetzt kuemmern. Abgehakt! SMS? Dt 1798197176 - this is a very old Nokia - Anrufe sinnlos.

  Bye, macht's gut!

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